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Europas Auferstehung drückt Goldpreis

[15:08, 29.07.10]
Von Tobias Bayer

Die europäische Wirtschaft erholt sich, Bankaktien steigen nach dem Stresstest. Deshalb sinkt die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold. Der größte Goldfonds verzeichnet den größten Tagesablauf seit akutem Ausbruch der Finanzkrise.

Ein nachlassendes Interesse der Finanzanleger lastet auf dem Goldpreis. Das gelbe Edelmetall verlor seit dem 18. Juni, als es auf das Rekordhoch von 1256,80 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) geklettert war, mehr als sieben Prozent. Momentan wird es bei 1166 Dollar gehandelt. "Der sichere Hafen Gold ist momentan weniger gefragt", schreiben die Analysten von  BNP Paribas in einem Researchbericht.

Das zeigt sich am weltgrößten börsennotierten Goldfonds, dem SPDR Gold Trust. Er vermeldete am Mittwoch mit 18,5 Tonnen den größten Tagesabfluss seit April 2008. Das kontrastiert mit der Entwicklung im zweiten Quartal. Nach Angaben des World Gold Council kauften Investoren in diesem Zeitraum netto 273,8 Tonnen Gold via Exchange Traded Funds (ETFs). Das sind die zweitgrößten jemals gemessenen Zuflüsse. Die gesamten Goldbestände in ETFs legten damit auf rund 2015 Tonnen zu.

Geschuldet ist die nachlassende Gold-Euphorie aus Sicht der Experten den besseren Aussichten Europas. Die Angst vor einem Kollaps der Euro-Zone ebbt ab, gleichzeitig rücken enttäuschende US-Konjunkturdaten wieder in den Vordergrund. Das lässt den Euro mit 1,3073 Dollar auf den höchsten Stand seit elf Wochen steigen.

Nach der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse am Freitag erholen sich auch europäische Finanzaktien. Sie legten diese Woche um mehr als sechs Prozent zu. Der Bloomberg-Index Europe Banks and Financial Services kletterte auf Monatssicht sogar um 16 Prozent. Michael Pento, Volkswirt bei Euro Pacific Capital, sieht einen direkten Zusammenhang zum Goldpreis. "Die Sorgen um Europa nehmen ab", sagte Pento. Er prophezeit einen Rückgang des Goldpreises auf 1083 Dollar bis Ende des Jahres.

Die mittelfristigen Aussichten für den Goldpreis bewerten die Experten allerdings als gut. Die Analysten von  Société Générale begründen ihre positive Einschätzung mit dem Blick auf die Terminmärkte. An der New Yorker Börse Comex reduzierten die Spekulanten ihre Netto-Kaufpositionen in einer Woche von 902 auf 775 Tonnen.

Sie hielten nur noch 30,5 Prozent der offenen Positionen, das sei so wenig wie seit Ende 2007 nicht mehr. "Das legt nahe, dass die Anleger mit den nervösen Händen erst einmal herausgefegt wurden. Das erhöht die Chancen, dass sie in den kommenden Wochen wieder zurückkehren und den Preis nach oben treiben. Im Gegenzug bedeutet das aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit von Short-Cover-Rallies geringer ist", schreiben die Société-Générale-Experten. Bei Short-Cover-Rallies schließen Anleger ihre Verkaufspositionen. Das stützt den Preis. "Nichtsdestotrotz erwarten wir eine Preiserholung."


Teil 2: Die Lehren aus den 30er-Jahren 

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