Trotz Nullzinspolitik der Notenbank Fed und Konjunkturprogammen der Regierung schwächt sich das Wachstum der US-Wirtschaft ab. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer Jahresrate von 2,4 Prozent und damit weniger stark als erwartet. Insbesondere der private Konsum blieb mit einem Plus von 1,6 Prozent hinter den Prognosen zurück. Diese erste Schätzung wurden am Freitag veröffentlicht.
"Der Einbruch beim Konsumentenvertrauen in Kombination mit schlechten Einkaufsmanagerindizes ist nicht ermutigend", sagte ING-Volkswirt James Knightley. "Die Banken geizen mit Krediten, der Arbeitsmarkt sendet nur ein schwaches Lebenssignal. Wir sind der Ansicht, dass das US-Wachstum enttäuschen wird." Knightley rechnet mit einem BIP-Wachstum für das Gesamtjahr 2010 von 2,0 Prozent. Die Konsensprognose liegt bei 3,1 Prozent.
Einher gingen die Zahlen mit größeren Revisionen. Das Wachstum im ersten Quartal wurde von 2,7 Prozent auf 3,7 Prozent revidiert. Die bereits davor zu Ende gegangene Rezession wiederum fällt nach der Überarbeitung heftiger aus: Vom Hoch- zu Tiefpunkt brach das BIP nach der neuen Schätzung um 4,1 Prozent ein. Zuvor war das US-Handelsministerium von 3,7 Prozent ausgegangen.
Die schwachen Zahlen sorgten für Abschläge zur Handelseröffnung an der Wall Street: Die drei wichtigsten Indizes, Dow , S&P 500 und Nasdaq Composite , verloren bis zu einem Prozent. Auch das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes ist so schwach wie seit November 2009 nicht mehr.
Der Verbraucherindex der Universität Michigan fiel im Juli nach endgültigen Berechnungen vom Freitag auf 67,8 Punkte von 76,0 Zählern im Vormonat. Analysten hatten zuvor im Schnitt mit 67,0 Punkten gerechnet.
Der von Anlegern und Volkswirten viel beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen gut zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Anders steht es mit den Einkaufmanagerindex, der vom in Chigago ansässigen Institute for Supply Management am Freitag veröffentlicht wurde. Er stieg von 59,1 im Juni auf 62,3 Punkte im Juli. Der Wert liegt damit höher, als es Analysten vorhergesagt hatten.