Der DAX schloss 0,7 Prozent tiefer bei 6134 Punkten. Der Stoxx 50 gab 0,5 Prozent auf 2487 Zähler nach. Der Londoner FTSE 100 verlor 0,1 Prozent vor. Der CAC 40 in Paris fiel um 0,5 Prozent.
Die Indizes drehten in Minus, nachdem die Leitbörse in New York anfängliche Kursgewinne abgab. Der Dow Jones verlor zeitweise gut 100 Punkte, bevor sich das Minus verringerte. Ein Papier des Zentralbankers James Bullard hatte Sorgen um die US-Konjunktur genährt. Die Fed solle erneut staatliche Verbindlichkeiten aufkaufen, falls sich Zeichen einer Deflation zeigen sollten. "Die USA sind näher an einem japanischen Deflationsszenario als jemals zuvor", schrieb der Chef der Zentralbank in St. Louis. Ein Aufkauf von Staatsanleihen würde die Wirtschaft ankurbeln und Deflationsrisiken begrenzen. Bullard warnte jedoch gleichzeitig davor, die Gefahr zum momentanen Zeitpunkt überzubewerten.
Händler machten zudem Gewinnmitnahmen für die fallenden Kurs verantwortlich: "Dass irgendwann mal die Luft raus ist, kommt nicht so überraschend", sagte ein Händler in Frankfurt. Richtige Kauflaune sei wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage in den USA ohnehin nicht aufgekommen, sagte ein anderer Börsianer. "Derzeit ziehen es die Investoren vor, Gewinne mitzunehmen."
Titel des Pharma- und Chemiekonzerns
Merck gewannen 4,6 Prozent. Dank der hohen Nachfrage nach Flüssigkristallen für Flachbildschirme und steigender Erlöse im Pharmageschäft hob der Konzern bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose an. Im zweiten Quartal stiegen die Umsätze in der Sparte Flüssigkristalle um 50 Prozent auf einen Rekordwert von 284 Mio. Euro. Die Umsatzrendite stieg auf 53,2 Prozent. Ohne den übernommenen US-Laborausrüster Millipore rechnet das Unternehmen 2010 mit einem Anstieg des Betriebsgewinns um 95 Prozent und des Umsatzes um 12,5 Prozent. Bisher hatte
Merck lediglich ein Wachstum von drei bis sieben und einen Anstieg des operativen Gewinns um 30 bis 40 Prozent in Aussicht gestellt.
"Die erfreulichen Ergebnisse des zweiten Quartals mit Gesamterlösen von über 2 Mrd. Euro belegen, dass das erste Quartal kein einmaliger Ausreißer nach oben war, sondern den Kurs für das Gesamtjahr anzeigte", sagte Karl-Ludwig Kley. Millipore eingerechnet geht der Konzernchef nun von einem Umsatzplus von 21 Prozent und einem Anstieg des operativen Ergebnisses von 90 Prozent aus. "Die Prognoseanhebung ist beeindruckend, zumal der Konzern für konservative Ausblicke bekannt ist", sagte DZ-Bank-Analyst Elmar Kraus.
Die Investoren griffen bei
Volkswagen -Vorzügen zu: Die Titel verteuerten sich um 3,1 Prozent. Der operative Gewinn des Wolfsburger Konzerns verdoppelte sich nach Konzerangaben im zweiten Quartal auf 1,99 Mrd. Euro. Im Krisenjahr hatte
VW dank der Abwrackprämie 928 Mio. Euro eingefahren. Nach dem Ende der staatlichen Unterstützung sorgt die hohe Pkw-Nachfrage aus China und den USA für gute Geschäfte: Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 22 Prozent auf rund 33 Mrd. Euro zu. Für das Gesamtjahr erwarte der Konzern weitere Zuwächse. Allerdings dürfe die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte nachlassen, teilte der Vorstand mit.
Die Titel von
France Telecom verteuerten sich um 5,5 Prozent und schlossen an der Spitze des Stoxx 50. Der Konzern kündigte an, die Ausschüttung bis 2012 stabil zu halten. "Das ist eine hübsche Überraschung mit den Dividenden", sagte ein Pariser Händler. Auch deutsche Händler äußerten sich positiv: "Wenn das nicht für ein Engagement in der Aktie spricht", freute sich einer.
Ebenfalls gefragt waren Anteilsscheine des britisch-schwedische Pharmakonzerns
AstraZeneca : Sie verteuerten sich um 2,7 Prozent. Nach einem stabilen zweiten Quartal zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich und erhöhte die Gewinnprognose fürs Gesamtjahr um 30 Cent je Aktie auf 6,35 bis 6,65 Dollar je Anteilschein. Der Konzern steigerte seinen Vorsteuergewinn ohne Restrukturierungskosten um fünf Prozent auf 3,53 Mrd. Euro. Der Umsatz legte drei Prozent auf 8,2 Mrd. Dollar zu.
BASF -Papiere fanden sich auf den Verkaufslisten: Das Papier verlor 2,1 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit ) sowie Sondereinflüssen sei binnen Jahresfrist um 94 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro gestiegen, teilte
BASF mit. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem bereinigten Betriebsgewinn von 2,03 Mrd. Euro gerechnet. Unter dem Strich blieb für die Monate April bis Juni ein Nettogewinn von 1,183 Mrd. Euro nach 343 Mio. vor Jahresfrist. Der Konzern bekräftigte zudem die Geschäftsziele für das Gesamtjahr. "Einige Marktteilnehmer interpretierten das als Skepsis, das
BASF seinen Ausblick nach dem starken Quartal nicht angehoben hat", sagte Frank Albrecht, Aktienhändler bei M.M. Warburg.
Bayer -Anteile schlossen 0,1 Prozent schwächer. Der Konzern blieb im zweiten Quartal mit einem Gewinnrückgang hinter den Erwartungen der Experten zurück: Unter dem Strich sei für die Monate April bis Juni ein Gewinn von 525 Mio. Euro verzeichnet worden, teilte das Unternehmen mit. Das ist ein Rückgang von 1,3 Prozent. Analysten hatten einen Anstieg erwartet. Sonderkosten von 255 Mio. Euro wegen Rechtstreitigkeiten und Abschreibungen auf ein Krebsmedikament belasteten zusätzlich die Bilanz. Der um Sondereinflüssen bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda ) solle wie bislang geplant auf mehr als 7 Mrd. Euro steigen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie solle um über 15 Prozent zulegen.
Siemens -Aktien gaben 2,3 Prozent nach. Das Unternehmen präsentierte vorbörslich aktuelle Quartalszahlen: Der operative Gewinn der drei Kernsektoren Industrie, Energie und Medizintechnik sei verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf 2,33 Mrd. Euro gestiegen, teilte der Konzern mit. Der Umsatz legte um vier Prozent auf 19,17 Mrd. Euro zu, der Auftragseingang kletterte um 22 Prozent auf 20,87 Mrd. Euro. Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich.
Lufthansa -Titel rutschten 4,5 Prozent ab. Der Verlust im ersten Halbjahr fiel mit 104 Mio. Euro deutlich geringer aus als von Analysten erwartet. Noch im Vorjahr hatte die schwindende Reiselust vieler Geschäftsreisender voll durchgeschlagen und zu einem Verlust von 178 Mio. Euro geführt. Der Umsatz legte nun zu auf 12,6 von 10,2 Mrd. Euro bei einem operativen Verlust von 171 Mio. Euro in der ersten Jahreshälfte.
Nach der Präsentation von Quartalszahlen verloren Papiere von
MAN 3,9 Prozent. Der Lastwagen- und Motorenhersteller habe den Umsatz verglichen mit dem Vorjahresquartal um 16 Prozent auf rund 3,6 Mrd. Euro gesteigert, teilte Konzern mit. Das operative Ergebnis stieg um 66 Prozent auf 404 Mio. Euro. Die zaghaften Erholungstendenzen vom Jahresbeginn hätten sich verstärkt, schrieb Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen in einem Brief an die Aktionäre. "Gleichzeitig ist es in vielen Bereichen noch ein weiter Weg zurück zur hohen Auslastung der vergangenen Rekordjahre."
| WKN | 846900 |
| Stand | 6.191,52 |
| Veränd. z. Vortag | 0,44 % |