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Börsenausblick

USA bestimmen die Richtung

[09:46, 31.07.10]

Trübsal blasen oder Zuversicht zeigen - die Tendenz an den Aktienmärkten ist derzeit alles andere als einheitlich. Das wird in der kommenden Woche auch so bleiben. Ein klarer Trend zeichnet sich nicht ab.

Die uneinheitliche Entwicklung an den Aktienmärkten wird sich in der nächsten Woche fortsetzen. Ein klarer Trend ist derzeit nicht erkennbar. Zu oft wechseln sich gute und schlechte Nachrichten ab, zu sehr schwankt die Stimmung der Investoren zwischen Zuversicht und Trübsal. Und beide Gemütszustände könnten in der nächsten Woche erneut ihre Berechtigung finden. Denn an Zahlen mangelt es zum Monatsauftakt nicht. Entscheidend sind aber vor allem Daten aus den USA.

Für eine positive Stimmung an den Börsen könnten einmal mehr die Quartalsberichte sorgen. "Die Unternehmenszahlen für das zweite Quartal dürften die Märkte in der kommenden Woche unterstützen", sagt Thomas Grüner, Anlagestratege bei der Landesbank Berlin. Insgesamt legen 13 Unternehmen aus dem deutschen Leitindex DAX Zahlen für das zweite Quartal vor. Den Auftakt machen am Montag  Linde und  Metro , ehe am Freitag der Versicherungskonzern  Allianz den Zahlenreigen beendet. "Viel spricht dafür, dass es nicht zu negativen Überraschungen kommt", sagt Klaus Stabel, Analysechef bei ICF Kursmakler.

DAX SCHLOSS MIT MINUS

Große Sprünge nach oben erwartet Grüner allerdings nicht. So hätten bereits in dieser Woche die Konzerne mehrheitlich mit guten Zahlen geglänzt. Dennoch gaben die Aktien teilweise nach. "Die Vorschusslorbeeren waren bereits so hoch, dass viele Investoren die Gelegenheit genutzt haben, Kasse zu machen", sagt Grüner. Ähnlich sieht es Stabel: "Die Anleger verkaufen bei guten Nachrichten. Ihre Erwartungshaltung ist so stark gestiegen, dass sie kaum noch etwas überraschen kann." Er verweist zudem auf den wieder erstarkten Euro , der gerade Investoren außerhalb der Euro-Zone dazu reizt, Gewinne mitzunehmen.

So gab es an den Börsen in dieser Woche kaum Veränderungen. Der DAX schloss mit einem Minus von 0,3 Prozent nahezu unverändert bei 6147 Zählern. Der britische FTSE 100 verlor ein Prozent - der CAC 40 in Paris legte in dieser Höhe zu. Der Stoxx 50 kam mit einem Plus von 0,15 Prozent ebenfalls kaum von der Stelle. Der Nikkei legte um 1,1 Prozent zu. Der breiter gefasste S&P 500 verharrte auf 1101 Stellen.

WARTEN AUF DIE US-ARBEITSLOSENZAHLEN

Die geringen Veränderungen überdecken jedoch die Schwankungen. Während zu Wochenbeginn die Erleichterung über den glimpflichen Ausgang des EU-Bankenstresstest die Börsen stützte, rückten zum Wochenschluss wieder die Konjunktursorgen in den Vordergrund. Wie sehr die Investoren die gute Unternehmenszahlen durch stabile Konjunkturdaten unterfüttert sehen wollen, zeigt vor allem der Kursverlauf am Freitag. Nachdem zunächst schwache Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum die Märkte ins Minus drückten, drehten sie im Verlauf ins Plus. Für Hoffnung sorgte der Chicagoer Einkaufsmanagerindex, dem zufolge die Wirtschaftsaktivität im Mittleren Westen im Juli stärker zulegte als erwartet.

Entscheidend für den Börsenverlauf in der kommenden Woche dürften nach Ansicht von LBB-Analyst Grüner daher die Konjunkturdaten aus den USA sein. Am Montag wird der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe veröffentlicht, tags darauf folgen die Zahlen zu den Ausgaben der privaten Haushalte und am Freitag schließlich die Arbeitslosenstatistik für Juli. "Es wird wichtig sein zu sehen, ob die zuletzt aufgekommenen Konjunktursorgen nur kurzfristiger Natur sind, oder ob sie in den Zahlen ihre Bestätigung finden."

Insbesondere die Arbeitslosenzahlen sind sehr wichtig, da die US-Wirtschaft einen stabilen Binnenkonsum bräuchte, um zu alter Stärke zurückzufinden. "Bislang profitieren die US-Unternehmen vor allem von der positiven Entwicklung in den Wachstumsmärkten und weniger vom Binnenkonsum", sagt Mark Luschini, Investment Stratege beim Finanzberater Janney Montgomery Scott. Er erwartet stabile Märkte, solange der Arbeitsmarktbericht am Freitag keine negativen Überraschungen bringt. "Die Angst vor einem Rückfall in die Rezession ist weiterhin so groß, dass die Investoren bei schlechten Zahlen schnell reagieren", sagt Luschini.

Sollten die Daten erneut Zweifel an der Konjunkturerholung wecken, dürfte die Risikoscheu der Anleger zunehmen - was den Rentenmärkten Auftrieb gäbe. David Schnautz, Stratege der  Commerzbank, glaubt zwar, dass die Daten die zögerliche Wirtschaftserholung bestätigen, erwartet aber nur geringe Impulse für Staatsanleihen. Investoren könnten nach den zahlreichen enttäuschenden Konjunkturdaten in jüngster Zeit gewisse Abwärtsrisiken bereits vorweggenommen haben.

KEIN WERTZUWACHS FüR DEN EURO

US-Treasuries und Bunds mit langen Laufzeiten würden daher kaum noch Unterstützung finden, sagt Schnautz. Bis Freitagabend fiel die Rendite, die sich entgegengesetzt zum Kurs entwickelt, bei zehnjährigen US-Treasuries um acht Basispunkte auf 2,9803 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit 2,598 Prozent und damit fünf Basispunkte schwächer als am Montag.

Für den Euro indes erwarten Analysten vorerst keinen Wertzuwachs mehr. "Nach der jüngsten Rally scheint das Erholungspotenzial ausgereizt zu sein. Einen anhaltenden Aufwärtstrend sehen wir nicht", schreiben die Analysten der Unicredit. Am Freitagabend kostete ein Euro 1,3045 Dollar - knapp 1,2 Prozent mehr als zum Wochenauftakt.


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