Frage: Frau Ostrom, Sie haben lang mit Reinhard Selten zusammengearbeitet, dem einzigen deutschen Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. Hat er Ihnen nach Ihrer Ernennung Aktientipps gegeben?
Ostrom: Reinhard und ich treffen uns immer noch hin und wieder, aber über Aktien reden wir nicht. Warum fragen Sie so etwas?
Frage: Weil Herr Selten sein Preisgeld zum Teil an der Börse angelegt hat. Haben Sie das auch gemacht?
Ostrom: Nein, ich habe das Geld komplett der Stiftung der Indiana University übergeben. Nach einem Jahr Karenzzeit gibt es daraus zusätzliche Mittel für unsere Forschung.
Frage: Wie bitte - Sie haben von der halben Million Dollar nichts für sich selbst behalten?
Ostrom: Mein Mann Vincent (er ist ebenfalls Politikprofessor an der Indiana University, Anm. d. Red.) und ich haben keine Kinder. So betrachten wir das Forschungszentrum als unsere Familie. Außerdem habe ich genug Geld. Es gibt an den meisten amerikanischen Universitäten ein sehr gutes Rentensystem. Auch meine Universität hat sehr viel für mich einbezahlt - so viel, dass ich schon vor einiger Zeit veranlasst habe, dass die Hälfte der Auszahlungen bei der Stiftung landet. Zudem besitzen wir einige Aktien, die lassen wir von einer Bank verwalten. Die machen das sehr gut. Ich besuche die Bank einmal, höchstens zweimal im Jahr und sehe mir das Portfolio an.
Frage: Können Sie etwas von Ihrem beruflichen Wissen auf Ihre Anlagen übertragen?
Ostrom: Der Kern meiner Forschung ist, wie man Institutionen nutzen kann, um Ressourcen zu managen. Das hat mit Anlegen wenig zu tun. Was ich rausziehe: dass es nicht sinnvoll ist, alle Investitionen in einen einzigen Wirtschaftszweig zu stecken oder in dieselbe Region. So haben wir einen Teil dieses Geldes in Entwicklungsländer investiert.